Sprachreise: Sonne, Strand und Tafelberg

Wenn dich dein Handyklingelton wie Tinnitus begleitet, wenn du nachts im Halbschlaf noch mal schnell deine E-Mails checkst und deine Mandel-Operation zwischen zwei Meetings schiebst, spätestens dann solltest du mal heftig an der Reißleine ziehen. Es ist Zeit für eine Pause. Eine Auszeit. Ruhe. Doch wie stellt man das an?

Urlaub mit Mehrwert

Das habe ich mich auch gefragt. Ich musste mal abschalten, mich neu programmieren und neue Energie tanken. Und zwar nur ich. Ein Urlaub allein – das klingt erst einmal nur so mittel gut. Deshalb entscheide ich mich für einen Bildungsurlaub. Eine Sprachreise mit Gastfamilie. So hat der Urlaub noch einen Mehrwert, außer der Erholung.

Doch wo soll es hingehen? Malta oder London? Oder ganz woanders hin? Welche Sprachschule ist gut? Ich bin überfordert und bekomme Hilfe von Kirsten Kolodziej. Kirsten arbeitet für eine Agentur und hat sich auf
Sprachreisen spezialisiert. Ein paar Fragen zu meinen Hobbys, Reisegewohnheiten und Charaktereigenschaften später, ist klar: es geht nach Kapstadt und zwar für vier Wochen! Kirsten empfiehlt mir die Sprachschule EC im Zentrum Kapstadts und hat noch viele weitere hilfreiche Tipps.

Fast alle Bundesländer (außer Bayern und Sachsen) bieten Angestellten die
Möglichkeit Bildungsurlaub zu nehmen. Das sind im Regelfall fünf Tage. Wie so
ein Bildungsurlaub gestaltet sein muss, das heißt wie viele Kursstunden man
besuchen muss, regelt jedes Bundesland etwas anders. Doch auch da weiß Kirsten Bescheid. Viele Arbeitnehmer wissen gar nicht, dass ihnen per Gesetz fünf Tage pro Jahr für Weiterbildung zustehen. Oder sie haben Angst, dass die Bildungsreise als Extra-Urlaub gedeutet wird – nur so kann ich mir erklären, dass nur ein bis zwei Prozent der Angestellten ihren Anspruch auf Bildungsurlaub überhaupt wahrnehmen. Kirsten stellt mir meine Sprachreise nach meinen Vorlieben und Wünschen zusammen. Ich muss nur den Flug buchen, alles andere übernimmt sie.

Lernen unter Palmen

30 Unterrichtsstunden habe ich in der Woche. Jeden Tag von 8:30 Uhr bis
14:00 Uhr drücke ich die Schulbank. Und es gibt Hausaufgaben! Nach dem
Unterricht gehe ich mit meinen Mitschülern Bergsteigen, Radfahren, auf
Sightseeing-Tour oder an den Strand. Wir sind nur sehr wenige Deutsche an der
Schule und so besteht mein neuer Freundeskreis aus Brasilianern, Franzosen und Italienern. Und unsere Sprache ist natürlich Englisch. Am Abend gibt es dann ein gemeinsames Abendessen mit meiner Gastfamilie.

Erholung ist das nicht, denke ich mir als ich in der ersten Woche jeden Abend völlig groggy ins Bett falle. Der Englischkurs ist anspruchsvoll, die Lehrer fordern einen ganz schön heraus. Ich wohne in einem muslimischen Viertel bei muslimischen Gasteltern. Das ist eine spannende neue Kultur für mich. Ich habe so viele Fragen, dass wir uns oftmals bis tief in die Nacht unterhalten. Ich lerne nicht nur eine Sprache, sondern ich lerne ein ganzes Land kennen, eine neue Kultur, viele interessante Menschen – das ist 100 Prozent Bildung.

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Die Erholung kommt mit der Routine. Es ist entspannend ein „Schulkind“ zu sein. Der Tagesablauf ist geregelt und ich vermisse mein wirkliches Leben kein Stück. In meinem Handy steckt eine südafrikanische SIM-Karte. Die Nummer
haben meine Kollegen und Kunden nicht.

Während meiner Bildungsreise hat sich nicht nur mein Sprachniveau in Englisch verbessert. Ich konnte eine faszinierende Stadt entdecken und an einer anderen Kultur teilhaben. ­­­Die Menschen in Kapstadt, die Capetonians, sind so warmherzig und offen, das Essen ist so gut und diese unfassbar atemberaubende Natur – ohne Kirsten von ESL wäre ich wohl nie in Kapstadt gelandet.

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Diesr Artikel erschien bereits auf editionf.de

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